Staatssekretär Sebastian Kurz: "Ehrliche Integrationspolitik setzt auf Bildung“

sts kurz„Wir müssen ehrlich sein, wir haben in den letzten 40 Jahren im Bereich der Integration vieles verabsäumt, wir werden auch nicht mehr alles lösen können. Wir haben Menschen in unser Land geholt, ohne uns zu fragen, ob sie bei uns bleiben oder nicht“, erklärte Staatssekretär Sebastian Kurz am 6. Juni in Dornbirn bei einem Vortrag, den der ÖAAB, die Junge ÖVP und die Frauenbewegung veranstaltet hatten. „Wir müssen uns aber sehr bemühen, nicht die alten Fehler zu wiederholen. Im Mittelpunkt unserer Bemühungen müssen zwei Gruppen stehen: die migrantischen Kinder und Jugendlichen, in Österreich an der Volksschule sind das bereits 25 %, in den Städten mehr, in Wien 60 % - und die Zuwanderer, das sind pro Jahr 130.000 Personen. Es gibt auch kaum ein Land, wo sich der Bildungserfolg der Migranten so stark von den Einheimischen unterscheidet: In Österreich erreichen 4 % keinen Hauptschulabschluss – international ein Spitzenwert -, bei den Migranten sind es hingegen 16 %, bei den Türken über 20 %.“

 

 

„Österreich leistet sich Widersprüche“, berichtet Kurz, „die international nicht verstanden werden: Bei uns kann man kostenlos studieren, aber für den Kindergarten muss man bezahlen; wer ohne Autobahnvignette erwischt wird, wird bestraft, wer seine Kinder auch längere Zeit nicht in die Schule schickt, dem passiert nichts!“

 

sts kurz 2„Wir haben vor kurzem in der Regierung gemeinsam entschieden, dass die Kinder Deutsch vor dem Schuleintritt können müssen, an sich eine Selbstverständlichkeit, in Österreich war das aber mühsam durchzusetzen; ich wünsche mir dringend ein zweites Kindergartenjahr für diejenigen, die es brauchen und scharfe Maßnahmen bei Schulpflichtverletzungen –ein Verlassen des Schulsystems ohne Pflichtschulabschluss soll es demnach nicht mehr geben.“

 

Eine weitere Strukturdebatte im Bildungsbereich –  Gesamtschule oder differenziertes System – hält Kurz für unnötig: „Es sind die Gesamtschule Kindergarten und Volksschule, die dafür verantwortlich sind, dass 25 % unserer Kinder nicht sinnerfassend lesen können – das ist keine Empfehlung!“

 

sts kurz 3„Beim Zuzug müssen wir auf Qualität setzen – eine weitere Armutszuwanderung darf es nicht mehr geben, wir verlangen in Österreich Deutschkenntnisse auf A-1-Niveau, wenn jemand aus einem Drittstaat zuwandert, diese Maßnahme zeigt bereits Wirkung. Wir müssen aber für Hochqualifizierte attraktiver werden und uns darum bemühen, dass ausländische Jugendliche, die bei uns studieren, auch in Österreich arbeiten.“

 

Das Publikum war von den soliden, knappen und klaren Positionen von Kurz begeistert. „Das erlebt man selten, dass die Antwort eines Politikers kürzer ist als die gestellte Frage – dafür versteht man sie auch“, bringt Wolfgang Türtscher, der Obmann der ÖAAB-Lehrer, die Resonanz des Abends auf den Punkt.