Bericht in den VN vom 18.11.13: Ländle-Lehrer drohen mit Streik

Unabhängige Bildungsgewerkschaft und AHS/BHS-Lehrervertreter sind solidarisch.

vn textBregenz. Zwischen Lehrervertretern und Regierung herrscht wieder dicke Luft. Grund: Morgen, Dienstag, will die Regierung im Ministerrat ein neues Dienstrecht beschließen. Wenn notwendig auch ohne Zustimmung der Gewerkschaft. Das bringt vor allem die Lehrer Höherer Schulen auf die Palme. Sie fühlen sich übergangen – vor allem deswegen, weil ihre ablehnenden Stellungnahmen zum Entwurf des neuen Dienstrechts praktisch nicht beachtet wurden. Heute wird ein letztes Mal verhandelt.


Kritik an Faymann

In der Ablehnung des Dienst- und Besoldungsrechtentwurfs haben sich auch in Vorarlberg bemerkenswerte Allianzen gebildet. So marschieren linke und konservative Lehrervertreter Hand in Hand. Konkret: Die Unabhängige Bildungsgewerkschaft sowie die Vorarlberger LehrerInneninitiative machen gemeinsame Sache mit GÖD-Vertretern und ÖAAB-Lehrern. Zumindest bei den Höheren Schulen. Und das Wort „Streik“ wird mittlerweile unverholen in den Mund genommen. „Dieses neue Dienstrecht ist ein Anschlag auf das österreichische Bildungssystem – ein reines Sparpaket“, wettert Gerhard Pusnik, Obmann der Vorarlberger LehrerInneninitiative. Gerhard Rüdisser (57), Obmann der Unabhängigen Bildungsgewerkschaft, sieht hinter den Ankündigungen der Regierung ein politisches Spiel. „Faymann und Spindel­egger wollen nach den negativen Schlagzeilen der letzten Tage Stärke zeigen. Faymann hat sich vier Jahre lang nicht um die Bildung gekümmert, und jetzt will er einen Kraftakt abliefern.“

„Wir sind zu einem Streik bereit, sollte die Regierung dieses Paket einfach durchboxen wollen“, macht Rüdisser klar. Da sind auch Lehrerkollegen, die gewöhnlich alles andere als auf Linie der UBG- und VLI-Vertreter sind. Zum Beispiel Wolfgang Türtscher, Lehrer-Frontmann des ÖAAB in Vorarlberg: „Die Streikbereitschaft ist bei uns auf alle Fälle gegeben. Dieser Dienstrechtsentwurf ist ein Käse, der ja auch von Eltern und Schülern abgelehnt wird. Hier wird auf Kosten der Lehrer ein Sparpaket geschnürt. Mehr Leistungen, bei weniger Gehalt – das kann es nicht sein.“ Türtscher sieht seine Ablehnung vor allem als einen Kampf für die Jungen und greift dabei einige Punkt des geplanten Gesetzesentwurfs heraus. „Da sollen Junglehrer ein Masterstudium absolvieren und gleichzeitig sieben Stunden unterrichten.
Da werden viele gleich wieder aufhören. Grundsätzlich gibt es für Lehrer Höherer Schulen bei diesem Dienstrecht mehr Arbeit für weniger Geld.“

„Schritt in richtige Richtung“

Als „völlig durchwachsen“ sieht GÖD-Pflichtschullehrervertreter Gerhard Unterkofler (54) die Stimmung bei Mittelschul- und Volksschullehrern. „Einige sind im Falle der Umsetzung des jetzigen Gesetzesentwurfs für Kampfmaßnahmen, andere nicht. Wir werden uns nach Bekanntwerden des Ergebnisses bei der letzten Verhandlung auf alle Fälle beraten“, kündigt Unterkofler eine moderatere Linie der Pflichtschullehrer an. Dem derzeitigen Entwurf kann er auch Positives abgewinnen. „Es ist ein Schritt in die richtige Richtung: gleiches Grundgehalt für alle Lehrer, gleiches Dienstrecht. Allerdings: Die Volksschullehrer sind benachteiligt, weil sie sich keine Fächerzulage holen können.“