"Schulstrukturen entscheiden nicht über den Leistungserfolg!"

bildungReferat von Karlheinz Kopf beim AAB-Stammtisch am 3.2. 2014 in Bregenz.

Sachorientierte Bildungspolitik

Die Schuldiskussionen gingen in den vergangenen Jahren weit an der Schulrealität vorbei. Statt sachlicher Problemanalysen wurde ein ideologisch motivierter Streit über die Organisationsform der Schule der 10- bis 14-Jährigen geführt. Uns ist es dabei nicht gelungen, eine inhaltliche Debatte über die wirklichen Problemfelder anzustoßen und Lösungen für die wahren Problemfelder unseres Schulsystems aufzuzeigen.


Stattdessen ist es den Linksparteien mit Hilfe einiger Medien gelungen, die Gesamtschule zum Symbol für moderne Bildungspolitik zu machen und gleichzeitig alle Gegner der Gesamtschule zu rückständigen Modernisierungsverhinderern zu stempeln. Dabei zeigen internationale Vergleichsstudien, dass die Schulstrukturen nicht über die Leistungserfolge entscheiden. Gerade die jüngsten Bildungsstandardtests haben einmal mehr gezeigt, dass unsere Kinder ihre Defizite in den Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen bereits bis zum 10. Lebensjahr "sammeln". Es kommen einfach zu viele Kinder mit sechs Jahren in die Volksschule, ohne die Unterrichtssprache ausreichend zu beherrschen, und den Volksschulen fehlen einfach die Instrumente und Ressourcen, um darauf entsprechend reagieren zu können.

In dieser Hinsicht ist das neue Regierungsprogramm ein großer Fortschritt, denn es schreibt einen "Vorrang für Frühförderung, Kinderbetreuung und elementare Bildung, den Kindergarten als Bildungseinrichtung, eine effiziente Schuleingangsphase, eine Stärkung der Volksschule, die Aufwertung der Lehre, Schulautonomie, Schulpartnerschaft und regionale Spielräume als Arbeitsprinzip" fest.

"Auf die Qualität des Unterrichts kommt es an"

Hinsichtlich der Debatte um das neue Lehrerdienstrecht bin ich bin sehr unglücklich darüber, welches verzerrte Bild von den LehrerInnen und der Schule entstanden ist.  Jedem Politiker und jeder Politikerin muss klar sein, dass es in Wahrheit auf die Qualität des Unterrichts und somit auf die Kompetenzen der Akteure – auf das, was im Klassenzimmer passiert – also auf die Lehrer ankommt. Den Stellenwert, der der Bildung beigemessen wird, erkennt man letztlich auch daran, welchen Status Lehrerinnen und Lehrer in der Gesellschaft genießen. Wir sollten Schule als Gemeinschaft von Lehrern, Eltern und Schülern und somit als Vorbild für ein funktionierendes Miteinander verstehen.

Strukturdiskussion und Effizienzsteigerungen

Zurückkommend auf die Strukturdiskussion sei noch festgehalten, dass die Gymnasien bei den jüngsten Bildungsstandardtests sehr gut abschneiden. Bei den Mittelschulen zeigen sich jedoch trotz des enormen Mitteleinsatzes keine Verbesserungen gegenüber den Hauptschulen. Es wäre also geradezu grotesk, angesichts dieser Ergebnisse die Gymnasien in Frage zu stellen. Deshalb trete ich auch weiterhin für die Beibehaltung des differenzierten Schulwesens und der AHS-Langform ein.  

Statt an den funktionierenden Bildungseinrichtungen herumzudoktern, sollten wir uns darauf konzentrieren;
    •    den Übergang vom Kindergarten in die Volksschule zu verbessern
    •    die schulische Tagesbetreuung auszubauen
    •    die Berufs- und Bildungswegorientierung zu verbessern
    •    Schulpartnerschaft und Schulautonomie zu stärken
    •    die Neue Mittelschule zunächst sauber zu evaluieren um dann
    •    die Ressourcen der Neue Mittelschule effizienter einsetzen zu können

Modellregion "gemeinsame Schule"

Das von der Vorarlberger Landesregierung kürzlich präsentierte Kurzfristprogramm mit zusätzlichen Stundenkontingenten für die Volksschulen (für mehr Sprachförderung und Team-Teaching, altersübergreifenden Lerngruppen etc.) und administrativen Entlastungsmaßnahmen für Direktorinnen und Direktoren im Pflichtschulbereich geht diesbezüglich in die vollkommen richtige Richtung.

Problematischer ist die Diskussion um die sogenannten „Modellregionen“. Da wird die Vorarlberger VP von den anderen Landtagsparteien in einer unseriösen Weise attackiert. Noch vor Abschluss des wissenschaftlichen Projekts zur Erarbeitung von Entscheidungsgrundlagen für die Schule der 10- bis 14-Jährigen wird die gesetzliche Ermöglichung eines flächendeckenden Modellversuchs gefordert.

Wir brauchen dringend eine Versachlichung der Schuldiskussion und wenn allenfalls nach Abschluss des Vorarlberger Projekts ein Versuch gestartet werden soll, dann sind dabei klare Bedingungen zu erfüllen: 
    •    die Versuchsstrukturen müssen wieder rückführbar sein
    •    der Versuch muss durch Vergleichbarkeit einen Nutzen für das gesamte Bundesgebiet bringen
    •    es darf dadurch keine Entwicklung in Richtung neun verschiedener Schulsysteme eingeleitet werden
    •    es darf keine voreilige Gesetzesänderung vor Abschluss der Vorarlberger Studie erfolgen