Duale Ausbildung muss bildungspolitischer Schwerpunkt in Österreich werden!

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tuertscherDie Wiedereinführung des Blum-Bonus in der Neufassung „Blum-Bonus-Neu“ ist notwendig

 

Die Zukunft eines Landes hängt wesentlich von der Ausbildung seiner Menschen ab. Das war auch der wesentliche Grund der Einführung der Schulpflicht im 18. Jahrhundert. Dabei kommt der dualen Ausbildung – ein weltweit anerkanntes Erfolgsprogramm der deutschsprachigen Länder – absoluter Vorrang zu. Eine weitere Erhöhung der Maturanten- und Akademikerquote ist nicht nur nicht notwendig, sondern sogar schädlich. Das beweisen Spanien, Griechenland u.a. mit einer hohen Maturanten- und Akademikerrate – aber gleichzeitig einer Rekordjugendarbeitslosigkeit – sie liegt in beiden Ländern bei 53 %! (Die Deutschen haben übrigens schon damit begonnen, tausende Studienplätze abzubauen, da die Wirtschaft schlüssig nachgewiesen hat, dass es eine weitere Akademisierung nicht braucht.)

 

 

Ziel der österreichischen Bildungspolitik muss es also sein, mehr junge Menschen als bisher für die duale Ausbildung zu gewinnen – sie haben die besseren Berufschancen und können dank unseres durchlässigen Systems jede weitere Ausbildung anschließen. In wirtschaftlich besonders prosperierenden Ländern – Vorarlberg, Bayern, Schweiz etc. – ist die Zahl der Lehrlinge immer besonders hoch; einen Facharbeitermangel hat übrigens Südtirol, dafür eine Maturantenquote von 70 %.

 

Um die Lehre zu retten, soll der Lehrabschluss aufgewertet werden, betriebliche und überbetriebliche Ausbildung enger verzahnt und der "Blum-Bonus" in der Neufassung „Blum-Bonus-Neu mit integrierter Qualitätssicherung“ wieder eingeführt werden. Der Blum-Bonus wurde 2005-2008 an Betriebe bezahlt, die zusätzlich Lehrlinge – auch lernschwache - aufnahmen. Eingeführt wurde er auf Vorschlag von KR Egon Blum, der zwischen 2003-2008 Regierungsbeauftragter unter Kanzler Dr. Schüssel und Dr. Gusenbauer war.  Mit dem Blum-Bonus (Lehrlingsbetreuungsbonus) wurden in nur 4 Jahren über 12.500 zusätzliche betriebliche Lehrstellen geschaffen. Seit der Abschaffung des Blum-Bonus 2008 ist der betriebliche Lehrlingsstand um über 17.500 in Österreich geschrumpft und sinkt kontinuierlich weiter; die Zahl der Lehrbetriebe ist um 6.000 – von 35.000 auf 29.000 - zurückgegangen.   Wobei die Demographie mit ausschlaggebend ist. Die derzeitige Situation bewirkt, dass wir in den nächsten 5 Jahren über 29.800 weniger betriebliche Lehrabsolventen haben werden.  Wenn wir nicht wirkungsvoll gegensteuern, wird sich diese Situation auch nach 2018 fortsetzen.  Ob unser Wirtschaftsraum das ohne enormen Wettbewerbsschaden und Arbeitsplatzverlusten verkraftet, ist kaum denkbar. In den angeführten Zahlen sind Tausende Fachkräfte, die in Pension gehen, noch nicht eingerechnet. 



 

Wie der Blum-Bonus, wurde Ende 2008 auch ein Qualitätsbonus – er wurde auf Vorschlag von E. Blum 2008 eingeführt, nach nur wenigen Monaten von der Regierung Faymann – Pröll auch wieder abgeschafft. Die Idee, eine Fortschrittskontrolle – Qualitätssicherung – einzuführen, sollte die Glaubwürdigkeit der dualen Ausbildung verbessern, da die Lehre der einzige Ausbildungsweg ist, wo zwischen Ausbildungsbeginn bis Ausbildungsende keine einzige verpflichtende Ausbildungskontrolle vorgeschrieben ist.  

Die Herausforderungen sind klar:

  • Aktive Bewerbung der dualen Ausbildung als einer besonders zukunftstauglichen Bildungsperspektive
  • Wiedereinführung des „Blum-Bonus“ als ein Mittel der Förderung und Qualitätssicherung
  • Strengere Zugangsvoraussetzungen für den Besuch Höherer Schulen – eine Maturantenquote von 40 % ist zumindest hoch genug!