Wolfgang Türtscher, Obmann der ÖAAB-Lehrer Vorarlberg, zum Ergebnis des „Forschungsprojekts Vorarlberg“: „90 % der Vorarlberger sind mit dem Bildungssystem zufrieden!“

tuertscherAber: Wer aufhört besser sein zu wollen, hört auf gut zu sein!

„Das wichtigste Ergebnis des Vorarlberger Forschungsprojekt ist, dass 90 % der befragten Eltern mit der Schulform, die ihre Kinder besuchen, zufrieden sind“, stellt Wolfgang Türtscher, der Obmann der ÖAAB-Lehrer in Vorarlberg, zum Ergebnis der Präsentation des „Vorarlberger Forschungsprojekts“ fest. „Das ist zuerst einmal ein tolles Kompliment für die Arbeit der Vorarlberger Lehrerinnen und Lehrer an den verschiedenen Schulformen in unserem Land. Und dafür gehört auch einmal „Danke“ gesagt. Weiters gilt“, so Türtscher, „wenn 90 % zufrieden sind, ist das kein Grund, schulstrukturelle Änderungen zu planen. Das wäre am Bedarf vorbeiproduziert.“


„Dass die Befragten an den AHS eine allfällige gemeinsame Schule mit Mehrheit ablehnen, ist keine Überraschung. Das entspricht den Befragungsergebnissen der letzten Jahrzehnte, die gesamtgesellschaftlich jeweils Ablehnungsraten von 70 – 80 % gegen eine gemeinsame Schule erbracht haben. Es ist auch keine Sensation“, so Türtscher, „wenn dieses Ergebnis bei den Befragten an den Haupt- und Mittelschulen etwas anders ausschaut und es dort mit 56 bzw. 58 % eine stärkere Hinwendung zur gemeinsamen Schule gibt.“

„Es gilt nun“, so Türtscher, „die Ergebnisse zu analysieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Diese werden sich eher an der Schulqualität orientieren, weniger an der Schulstruktur.“

„Die Herausforderungen sind klar“, hält Türtscher fest, „das Schwergewicht aller bildungspolitischen Maßnahmen muss in der Frühförderung liegen: Wer in die Volksschule eintritt, muss schultauglich sein, er muss die Unterrichtssprache beherrschen – das Lebensalter ist zweitrangig. Zu verbessern sind weiters die Übergänge – mit zehn und mit vierzehn Jahren: Die Fixierung auf Schulnoten ist zu kurz gegriffen, es bedarf eines seriösen Prognoseverfahrens, damit nicht Jugendliche Schulen wählen, für die sie nicht geeignet sind. Und, das österreichische Erfolgsmodell schlechthin, die duale Ausbildung, muss forciert werden: Der 2008 abgeschaffte „Blum-Bonus“ muss wieder eingeführt werden, als wichtige Qualitätssicherungsmaßnahme für die Berufsschulen und als Rückmeldung für die Lehrlinge. Denn, und das wird einige überraschen,“  so Türtscher, „in Europa sind diejenigen Regionen wirtschaftlich erfolgreich, die eine niedrige Maturanten- und Akademikerquote haben, wie etwa Bayern, Baden-Württemberg, St. Gallen und Vorarlberg – und eine hohe Jugendarbeitslosigkeit haben die Länder mit den höchsten Maturanten- und Akademikerraten wie Frankreich, Spanien und Griechenland! Und als Vorbereitung auf die Lehre leisten unsere Polytechnischen Schulen hervorragende Arbeit; sie sind deshalb auch außer Streit zu stellen.“