Wolfgang Türtscher, Obmann der Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB-Vorarlberg: Keine großen Überraschungen beim Bildungsprogramm der Bundesregierung

tuertscher„Das am 17.11.15 präsentierte Bildungsprogramm der Bundesregierung erbrachte keine großen Überraschungen, wohl aber sinnvolle Festlegungen für Maßnahmen, die mehrheitsfähig, umsetz- und finanzierbar sind“, zieht Wolfgang Türtscher, der Obmann der Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB-Vorarlberg, eine erste vorsichtige positive Bilanz. „Roter Faden ist die Frühförderung – das ist auch richtig so“:



  • Ein „Bildungskompass“ für alle Kinder mit 3,5 Jahren
  • Deutsch vor Schulbeginn - Bildung beginnt bei den Kleinsten
  • Sprach- und Leseförderung – von Anfang an
  • Schulautonomie wird gestärkt – drei Säulen: pädagogisch-personell-organisatorisch:  5 % der Lehrerposten können in Supportpersonal umgewandelt werden; ; wünschenswert wäre allerdings zusätzliches Personal im Unterstützungsbereich und keine Umschichtung bestehender Ressourcen.
  • Ein zweites „fast“ verpflichtendes Kindergartenjahr für jene Kinder, die es auch wirklich brauchen
  • Zusätzliche Sprachkurse zur Verbesserung der Deutschkenntnisse
  • Forcierung der Grundkompetenzen Lesen-Schreiben- Rechnen in der Volksschule
  • Verbesserung der Ausbildung der Kindergartenpädagogen


 
Hinsichtlich der Modellregion-Frage einer Gemeinsamen Schule einigte man sich zwar darauf, dass nicht ein gesamtes Bundesland Modell-Region sein darf, jedoch wurde das Mitspracherecht der Schulpartner – Schüler-Eltern-Lehrer - „ausgehebelt“. „Das können wir vom ÖAAB als Arbeitnehmerorganisation nicht akzeptieren und werden das mit allen Mitteln bekämpfen“, kündigt Türtscher an.
 
„Noch unklar ist die Schulorganisation – Bildungsdirektionen sollen die Landesschulräte ablösen und eine „Bund-Länder-Behörde“ werden; die rechtliche Basis für eine solche Behörde existiert aber noch nicht! Nachdem, was bisher an Informationen vorliegt, ist eine konkrete Verbesserung noch nicht nachvollziehbar“, hält Türtscher fest. „Auch ist das tatsächliche Ausmaß der Aufwertung der Gestaltungsmöglichkeiten der Direktoren noch nicht ganz klar.“
 
Insgesamt gilt: Im neuen Bildungsprogramm gibt es Punkte, die praxisbezogen, umsetzbar und differenziert sind. „Anzustreben ist noch“, so Türtscher, „dass es in Zukunft verstärkt gelingt, den Leistungsgedanken wieder in den Vordergrund zu stellen. Von verantwortungslosen ‚Scheinexperten‘ wird immer wieder die Illusion vermittelt, bei entsprechender Förderung könne jedes Kind, ohne Rücksicht auf die Begabung, jedes Ziel erreichen. Das ist eine Illusion – die Antwort darauf ist ein vielfältiges Angebot, das jedes Kind nach seinen Fähigkeiten fördert und fordert.“