Stammtisch 18.5.16: Der Islam und der Handschlag – hat unsere Toleranz Grenzen?

stammtisch_180516Zu diesem Thema diskutierten am 18. Mai 2016 in Götzis Univ.-Doz. Dr. Ursula Rapp, die Islambeauftragte der Diözese Feldkirch, DI Özgür Erdogan, Fachinspektor für den alevitischen Religionsunterricht für Tirol und Vorarlberg und Mag. Dr. Manfred Hämmerle, der Direktor der HAK/HASCH Bregenz. Moderiert wurde die Veranstaltung von Mag. Wolfgang Türtscher, dem Obmann der ÖAAB-Lehrerinnen und –Lehrer in Vorarlberg.


„Für die Verweigerung eines Handschlages gegenüber Frauen findet sich im Koran kein Beleg“, stellte FI Erdogan einleitend fest, „das ist ein kulturelles und soziales Problem eines Angehörigen der sunnitischen Glaubensgemeinschaft, das ist klar ein Fehlverhalten eines Öffentlich Bediensteten.“ Auch Doz. Rapp stellte fest, dass die Handschlagverweigerung die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Frage stelle und deshalb abzulehnen sei. Dir. Hämmerle berichtete aus seiner Schule, dass sich diese Sache – ein islamischer Religionslehrer verweigert Frauen den Handschlag - nun schon seit sechs Jahren dahinziehe, sie jetzt mit der Entlassung des kritisierten Religionslehrers gelöst werde, aber nicht grundsätzlich, da die Islamische Glaubensgemeinschaft – die österreichweite Vertretung der Moslems – in der Verweigerung des Handschlages keinen Grund für eine Abberufung sehe.

Ohne Not werde von islamischer Seite radikalisiert – der Koran gebe auch nichts her, um die Teilnahme am Turnunterricht, am Singen religiöser Lieder und am Sportunterricht allgemein zu verweigern. Die Aleviten betonen, dass das neue Islamgesetz 2015 ein gutes sei – hier sei auch klargestellt, dass die staatlichen Gesetze über den religiösen stehen. Voraussetzung sei, dass die in Österreich tätigen Religionen eine uneingeschränkt positive Haltung zum Staat Österreich haben.

Alle Anwesenden und Podiumsteilnehmer sind sich einig, dass in Österreich alle gesetzlichen Voraussetzungen gegeben sind, um die Menschen, die nach Österreich zuziehen zur Einhaltung der österreichischen Gesetze und gesellschaftlichen Konventionen zu veranlassen. Dem Islam gegenüber sei man hier oft zu tolerant. Das müsse man von den österreichischen Behörden auch verlangen können – von sich aus und rechtzeitig, ohne medialen Zuruf!

Bemerkenswerte Wortmeldungen:

  • Erdogan: Wir bekennen uns zu einem positiven Islam, die Sunniten benötigen eine Aufklärung.
  • Gerhard Pusnik (VLI-Obmann): Ich bezweifle, dass unsere Behörden nichts tun können, sie wollen nicht. „Dazu braucht es wohl die FPÖ“. Beim Islam hat man jahrelang geschwiegen, als kürzlich an einer Schule Mohammed als Kinderschänder bezeichnet worden ist, hat LR Mennel gleich gewusst, dass das nicht geht. Bei der Verurteilung der Handschlagsverweigerung hat es sechs Jahre gedauert.
  • Hämmerle: Stellt Euch vor, ein strammer deutschnationaler Burschenschafter verwehrt aus irgendeinem Grund einer jungen Jüdin den Handschlag – was wäre in den Medien in und außerhalb von Österreich los?
  • Gögele: Einer Frau den Handschlag zu verweigern, geht bei uns nicht. Die Behörde lotet zu wenig aus, was für Maßnahmen hier ergriffen werden müssten, damit solche Vorgänge aufhören.