ÖAAB-Lehrer-Obmann Wolfgang Türtscher: Zentralmatura gescheitert – zurück an den Start!

tuertscher„Die verheerenden Ergebnisse in Mathematik an den österreichischen Gymnasien, besonders auch in Vorarlberg, das organisatorische Chaos rund ums BIFIE, die Unruhe an den Schulen, Frust bei Schülern, Eltern und Lehrern – das ist die Bilanz der Umstellung der bisherigen „alten“ Matura auf die neue kompetenzorientierte Reifeprüfung“, analysiert Wolfgang Türtscher, der Obmann der Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg, die „Reformarbeit des Bildungsministeriums“. „Im Interesse der betroffenen Schüler, Eltern und Lehrer stelle ich die Forderung: Zurück an den Start!“


„Konkret heißt das: Für den Maturatermin 2017 bleibt es dabei, dass alle Schüler eine Vorwissenschaftliche Arbeit schreiben, ab 2018 kann für das „alte System“ votiert werden. 2017 müssen die Schulen die Möglichkeit haben, entweder mit zentralen Aufgabenstellungen zu arbeiten, eine teilzentrale Matura durchzuführen oder die Themen wieder selbst zu stellen“, schlägt Türtscher vor.

Dann muss die Zeit genützt werden, dass sich „echte Experten“, das werden dann v.a. die Lehrer sein, in einem umfassenden Evaluierungsprozess damit befassen, welchen Wege man zukünftig einschlägt. „Im Vordergrund muss dabei die Leistungsorientierung, aber auch der faire Umgang mit den Maturanten stehen – was sie in der Schule lernen, muss auch bei der Matura geprüft werden“, verlangt Türtscher.

Auch besteht z.B. die Chance, wieder Literaturkenntnisse bei der schriftlichen Reifeprüfung zu verlangen und sich dabei am hessische Landesabitur, das es seit 2007 gibt, zu orientieren: Dieses sieht ausdrücklich vor, dass ausgesuchte Werke der deutschen Literatur im Unterricht behandelt werden müssen und dementsprechend auch Gegenstand der Reifeprüfung sind. Das Kultusministerium gibt für jeden Jahrgang eine Liste mit verbindlicher Lektüre vor, die etwa für einen Abiturlehrgang Werke von Büchner, Goethe, Schiller, Fontane, Kafka, Wolf und Brecht umfassen können. Manche Werke wechseln von Jahr zu Jahr, andere bilden einen festen Stamm. „Goethes Faust gehört immer dazu“, erklärt dazu die Frankfurter Schuldezernentin Jutta Ebeling (Die Grünen).

In der momentan gültigen schriftlichen Reifeprüfung werden nur so genannte Kompetenzen, etwa in der Texterstellung und der Textanalyse, verlangt. Die Literatur wird dadurch ihres Eigenwerts beraubt und auf bloßes Beispielmaterial für eben diese Kompetenzen reduziert. Damit ging ein wichtiger Aspekt im Deutschunterricht, und das ist die Literaturkunde, verloren.