Keine Abschaffung der Sonderschulen!

Wolfgang Türtscher, Obmann der Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg:

Keine Abschaffung der Sonderschulen!

Utl: Betroffene Eltern wollen die Sonderschule für ihre Kinder erhalten!

„Wir weisen die Ankündigung von Bildungsministerin Hammerschmid, die Sonderschulen mittelfris-tig abzuschaffen und durch inklusive Mittelschulen zu ersetzen, zurück“, erklärt Wolfgang Türtscher, der Obmann der ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer in Vorarlberg. „Diese Forderung ist sachlich nicht zu begründen und ist eine jener Sparmaßnahmen, die scheinpädagogisch begründet werden. Entgegen ihrer Behauptung steht dazu auch im Regierungsübereinkommen 2013-18 kein Wort!“


„Die österreichischen Sonderschulen müssen erhalten bleiben, das ist u.a. auch eine Sache des Haus-verstands“, unterstützt Wolfgang Türtscher, die bundesweite „Bürgerinitiative für den Erhalt besonde-rer Schulen“ von betroffenen Eltern, die sich am 1. Juni 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt hat. „In der veröffentlichten Debatte wird fast ausschließlich der „Inklusion“ im Sinne einer „Integration um jeden Preis“ das Wort geredet. Dem steht gegenüber, dass die Experten – das sind die Sonderschullehrerin-nen und – lehrer – gegenteilige Erfahrungen machen. Vorarlberg bietet hier ein nahezu ideales System an – ca. 131“Sonderschulklassen“, das sind 19 %, (Sonderschulen, Pflichtschulen mit angeschlossenen Sonderschulklassen, Landessonderschulen) stehen 557 Integrationsklassen, das sind 81 %, im Pflicht-schulbereich gegenüber, in Österreich sind es ca. 62 % der ca. 30.000 Kinder mit sonderpädagogi-schem Förderbedarf, die in Integrationsklassen unterrichtet werden, 38 % in Sonderschulen.“

„Für den Erhalt oder sogar den Ausbau der Sonderpädagogischen Zentren sprechen viele Gründe“, so Türtscher: Die Lehrperson kann die Schüler auf Grund der Klassengröße, wegen der Anwesenheit einer zweiten Lehrperson und oft sogar noch einer weiteren Betreuung wie Zivildiener oder Jugendli-cher des freiwilligen sozialen Jahres, individueller betreuen. Die Individualität der Schüler wird stär-ker berücksichtigt, man kann besser auf Schwächen und Stärken eingehen: ‚Es sind nicht alle Kinder gleich!‘“ Das können die Eltern betroffener Kinder wohl am besten beurteilen!

Schüler können intensiver bei der Ausbildungs- bzw. Berufswahl betreut werden. Der Einstieg in den Arbeitsmarkt fällt leichter mit einem guten „Sonderschulabschluss“ als mit einem schlechten Mittel-schulabschluss. Die Möglichkeiten der Teilqualifikation, der Anlehre und der verlängerten Lehre kön-nen in Anspruch genommen werden.
Türtscher teilt die Meinung von Ilse Schmid, der Obfrau der steirischen Elternvereine, die verneint, dass die immer wieder zitierte UNO-Menschenrechtskonvention die Abschaffung der Sonderschulen verlange. Dort steht lediglich, dass Menschen mit Behinderung nicht von Bildung ausgeschlossen werden dürfen – und das wollen ja alle!