Vorwissenschaftliche Arbeit aufwerten!

Wolfgang Türtscher, Obmann der Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg:

Vorwissenschaftliche Arbeit aufwerten!

Die Verbesserung der Rahmenbedingungen ist notwendig!

„Bei der Abfassung der Vorwissenschaftlichen Arbeit (VWA) als Teil der neuen Reifeprüfung erbringen Schüler und Lehrer oft großartige Leistungen“, weiß Wolfgang Türtscher, Obmann der ÖAAB-Lehrerinnen und –Lehrer in Vorarlberg aus eigener Erfahrung zu berichten. „Doch ist es notwendig, dass die Rahmenbedingungen verbessert werden. Da kann uns Bayern durchaus aus Beispiel dienen!“ (Türtscher ist selbst seit 2015 als Betreuer, Klassenvorstand und Maturavorsitzender intensiv mit diesem Thema befasst.) Die Absicht, dass Maturanten selbstständig ein Thema bearbeiten, zu Lösungen gelangen und diese auch dokumentierten und präsentieren, ist auf alle Fälle vernünftig.

„Man kann nur prüfen, was auch gelehrt wird, das ist ein bewährtes schulisches Prinzip“, hält Türtscher fest. „Die VWA stellt eine von drei Säulen der neuen Reifeprüfung dar, systematischer Unterricht dazu findet allerdings nicht statt. Deshalb ist es sinnvoll, das bayrische Modell zu übernehmen: Dort gibt es in der 11. Schulstufe (7. Klasse Gymnasium) das zweistündige Pflichtfach „Wissenschaftspropädeutisches Seminar“, in dessen Rahmen eine Anleitung zum wissenschaftlichen Arbeiten gegeben wird. Im Rahmen dieser Lehrveranstaltung entsteht auch die „Seminararbeit“ (in Österreich: VWA); das hat den großen Vorteil, dass die Schüler ihre Arbeitsergebnisse dem Lehrer und den Mitschülern präsentieren können und dabei wertvolle Rückmeldungen bekommen, die in die Arbeit einfließen. Im November der 12. Schulstufe (8. Klasse Gymnasium) muss die Arbeit dann abgegeben werden. Das hat den großen Vorteil, dass zu Beginn der 8. Klasse das Thema Seminararbeit/VWA abgeschlossen ist. In Österreich könnte man durchaus darüber nachdenken“, so Türtscher, „ob man mit diesem neuen Fach schon in der 6. Klasse beginnt und damit die VWA bereits in der 7. Klasse abschließt.“

„Die Übernahme dieses Modells hätte zwei große Vorteile“, so Türtscher. „Einerseits wird sicher die Qualität gesteigert, andererseits erfolgt eine zeitliche Entlastung – die Maturanten können sich während des großen Teils der achten Klassen den Prüfungsvorbereitungen widmen. Durch ein zusätzliches Fach muss der Staat auch zusätzliche Ressourcen einsetzen, das ist naheliegend. Reformvorhaben anzukündigen, die auf eine Qualitätsverbesserung abzielen und gleichzeitig von Kostenneutralität zu sprechen, das ist ein Widerspruch“ hält Türtscher abschließend fest. 

Rückfragen:

Mag. Wolfgang Türtscher, 0664/1234009