Die Schule braucht gute Bedingungen für mehr Leistungsorientierung!

AAB-Lehrer-Obmann Wolfgang Türtscher zu den Bildungsstandards:
Die Schule braucht gute Bedingungen für mehr Leistungsorientierung!
Utl: Forcierung der Frühförderung geht nicht zum Nulltarif!

„Das Ergebnis der Bildungsstandards ist nicht erfreulich, aber auch nicht überraschend, die NMS (Neue Mittelschule)“ stürzt ab und kann nicht an die Ergebnisse der ‚alten Hauptschule‘ anschließen, Schüler mit migrantischem und bildungsfernem Hintergrund schneiden schlechter ab und deshalb auch die Bundesländer Wien und Vorarlberg, in denen besonders viele Migranten leben“, so Wolfgang Türtscher, der Obmann der ÖAAB-Lehrerinnen und –Lehrer in Vorarlberg. Nicht nachvollziehen kann Türtscher die Kritik von LSI Engstler an den Lehrern, sie ‚hätten die Formate zu wenig geübt. „Einerseits ist es nicht Aufgabe der Lehrer Formate zu üben (‚teaching to the test‘), sondern den Kindern fundiert Lesen, Schreiben und Rechnen beizubringen, andererseits ist es Aufgabe der Schulaufsicht, durch eine gezielte Inspektion Schwachstellen aufzuspüren und zu beheben und nicht die Lehrer unter Generalverdacht zu stellen.“

„Allerdings ist es schon so, dass wir dann bessere schulische Leistungen erzielen, wenn wir von den Schülern auch mehr Leistung fordern! Leider ist es so, dass sogenannte ‚zeitgeistige Reformen‘ dazu geführt haben, dass die Leistungsbereitschaft ständig nachgelassen hat. Dazu tragen sogenannte ‚Experten‘ nicht unwesentlich bei, wenn sie glauben, die Abschaffung der Noten würde den Erfolg erhöhen, die Senkung der Zahl der Klassenwiederholungen würde leistungssteigernd wirken, Hausübungen seien nicht sinnvoll, das Streichen von Schultagen wäre notwendig und in heterogenen Gruppen würde man bessere Leistungen erzielen als in Leistungsgruppen. Diese ‚Umtriebe‘ waren gerade in Vorarlberg besonders stark zu spüren.“

„Geändert hat sich die Lage in den Volksschulen – bei Schuleintritt bestehen Entwicklungsunterschiede von bis zu drei Jahren: Darauf müssen wir reagieren – es braucht eine bessere personelle Ausstattung in der Volksschule - grundsätzlich zwei Lehrer pro Klasse -, und eine Verstärkung der Frühförderung, um die Volksschullehrer in die Lage zu versetzen, unter stark geänderten gesellschaftlichen Bedingungen ihren Bildungsauftrag erfüllen zu können. Darauf hat in Vorarlberg schon 2013 die Initiative „Rettet die Volksschule“ hingewiesen. Die Vorarlberger Landesregierung hat sofort reagiert und beträchtliche Landesmittel in die Volksschule investiert – das ist beispielhaft hervorzuheben“, so Türtscher.

„Wir müssen dafür sorgen, dass es in der Schule wieder mehr echte Schul- und Lernzeit gibt, wir müssen die verschiedenen Schultypen und –formen besser aufeinander abstimmen, wir müssen den Eltern zeitgerecht ein realistisches Bild der Leistungsfähigkeit ihrer Kinder geben und wir dürfen vor allem nicht die Illusion nähren, mit entsprechender Förderung könne jedes Kind jedes Bildungsziel erreichen“, so Türtscher. „Allerdings, maßgeschneiderte Angebote und Frühförderung wird es nicht zum Nulltarif geben – aber es ist gut eingesetztes Geld, denn es geht um die Zukunft unserer Kinder!“ Das sich derzeit in Begutachtung befindliche Schulautonomiepaket trägt dazu aber nichts bei!