Religion als Pflichtfach, Ethik als Alternative

ÖAAB-Lehrer-Obmann Wolfgang Türtscher:
Religion als Pflichtfach, Ethik als Alternative
Utl: Ethische Grundwerte unverzichtbar

„Die positive Rolle des Religionsunterrichts wird in unserem Land von vielen Menschen betont, weit über den Kreis derjenigen, die regelmäßig die Gottesdienste der christlichen Kirchen besuchen“, zeigt sich Wolfgang Türtscher, der Obmann der Vorarlberger ÖAAB-Lehrer, überzeugt. „Für diejenigen, die sich vom Religionsunterricht abmelden, soll der Ethikunterricht hinkünftig österreichweit ab der 1. Schulstufe Pflicht werden, wie das in Vorarlberg schon seit zwei Jahrzehnten für den Bereich der Oberstufe (ab der 9. Schulstufe) möglich ist und gut angenommen wird“, sieht Türtscher keinen Widerspruch.

Eine demokratische Gesellschaft benötigt einen Grundkonsens in wichtigen Verhaltensweisen und Lebensnormen (z.B. Menschenrechte, soziale Verantwortung, Partnerschaft in Ehe und Familie, Grundrecht auf Leben, Meinungsfreiheit. Wirtschaftsethik, Umgang mit Konflikten, Arbeit als Menschenrecht etc.). Diese Grundwerte zu vermitteln ist der gesetzliche Auftrag der Schulen, eine zielgerichtete Vermittlung im Religions- und Ethikunterricht damit unabdingbar.

Der von der sogenannten „Überparteilichen Plattform“ geforderte „Ethikunterricht für alle“ läuft auf eine Abschaffung des Religionsunterrichts hinaus, der zu einem Freifach degradiert werden würde. „Tatsache ist“, so Türtscher, „dass gerade die religiöse Vielfalt in unserem Land es notwendig macht, dass den Kindern und Jugendlichen der Besuch des Religionsunterrichts ermöglicht wird. Das ist identitätsstiftend und eine Beitrag zur Integration in gleicher Weise. Österreich als tolerantes Einwanderungsland hat dafür die Voraussetzungen zu schaffen!“ (Die ‚überparteiliche Plattform besteht aus den Freidenkern und Politikern aus der SPÖ und den Grünen – so viel zur ‚Überparteilichkeit!)

Das Beispiel v.a. der Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich – dort gibt es den Schulversuch Ethik schon seit zwei Jahrzehnten - beweist, dass Religions- und Ethikunterricht durchaus ihren Platz nebeneinander haben. Es wäre für Türtscher höchste Zeit, den Ethikunterricht verpflichtend für jene Jugendlichen zu verankern, die sich vom Religionsunterricht abmelden. Was sich in Schulversuchen bewährt hat, soll ins Regelsystem übergeführt werden.

Die Ethiklehrer werden derzeit berufsbegleitend von den Pädagogischen Hochschulen ausgebildet; Lehrer aller Fächer haben die Möglichkeit sich weiterzuqualifizieren. Dieses Modell hat sich bewährt und soll österreichweit umgesetzt werden.