Die OECD ist für Bildung nicht zuständig!

Walser-Forderung nach OECD-Überprüfung des Schulsystems nicht sinnvoll!

„Die Forderung von NR Harald Walser, das österreichische Schulsystem durch die OECD überprüfen zu lassen, ist nicht sinnvoll, weil die OECD eigentlich für Bildung nicht zuständig ist“, kommentiert Wolfgang Türtscher, der Obmann der ÖAAB-Lehrerinnen und –Lehrer in Vorarlberg, Walsers Vorstoß. „Die OECD mit Sitz in Paris ist die „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ mit 34 Mitgliedern, die sich der Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlt. Das ist die Nachfolgeeinrichtung der OEEC, deren Aufgabe der wirtschaftliche Wiederaufbau in Europa durch die Gelder des Marshallplans seit 1948 war.“

„Unabhängig davon mischt sich die OECD seit fast 20 Jahren in unsere Bildungspolitik ein, allerdings sind die Auswirkungen nicht positiv“, so Türtscher. „PISA, Individualisierung und Personalisierung, Inklusion, Standards,  TIMMS, PIRLS und internetbasierte Rückmeldeverfahren sind plötzlich die neuen Leitbilder, als „Vorgesetzte“ setzen sich die OECD, Andreas Schleicher, die Bertelsmann-Stiftung, die skandinavischen Länder, die Reformpädagogik, Lenkungsausschüsse und Projektkoordinatoren in Szene. Die in der Folge der PISA-Studien durchgeführten Reformen, die durch Standards, Tests und Kompetenzorientierung die Bildungsqualität und die Zahl der Abschlüsse heben sollten, sind jedenfalls gescheitert“, hält Türtscher fest.

„Wir wissen schon, wo in Östereich Reformbedarf ist“, so Türtscher, „dafür brauchen wir die OECD nicht. „Wir müssen dafür sorgen, dass es in der Schule wieder mehr echte Schul- und Lernzeit gibt, wir müssen die verschiedenen Schultypen und –formen besser aufeinander abstimmen, wir müssen den Eltern zeitgerecht ein realistisches Bild der Leistungsfähigkeit ihrer Kinder geben und wir dürfen vor allem nicht die Illusion nähren, mit entsprechender Förderung könne jedes Kind jedes Bildungsziel erreichen“, so Türtscher. „Deutsch vor Schuleintritt, die Stärkung der Volksschule und die Bildungspflicht anstatt der Schulpflicht wären Schritte in die richtige Richtung. Hier hat Vorarlberg mit der Initiative „Rettet die Volksschule“, die von der Landesregierung unterstützt wird, schon Pionierarbeit geleistet.“

Auch die Frage der „Gemeinsamen Schule der 10- bis 14-Jährigen“ ist seit dem Bildungsreformgesetz vom Juni 2017 geklärt: „Wer eine Gemeinsame Schule will, kann das machen, er braucht dazu nur die Zustimmung der betroffenen Lehrer und Eltern. Es ist das also keine Frage der Landes- oder Bundespolitik mehr, sondern des Schulstandortes. An dieser Entscheidung hat Harald Walser federführend mitgewirkt“, erinnert Türtscher.