5 Jahre Neue Mittelschule, 10 Jahre Vorarlberger Mittelschule – eine Bestandsaufnahme!

„Mit der Frage, wie sich zehn Jahre nach dem Schulversuch ‚Vorarlberger Mittelschule‘ und fünf Jahre nach der Einführung der ‚Neuen Mittelschule‘ das in der schulischen Praxis in Vorarlberg auswirkt, beschäftigte sich am Mittwoch, 18. Oktober 2017, 19 Uhr, in der Volkshochschule Götzis eine hochkarätige Runde Vorarlberger Schulexperten: Am Podium diskutierten Lehrlingsausbildner Dieter Hämmerle, HAK-Direktor Dr. Manfred Hämmerle, Pflichtschulinspektorin Mag. Maria Kolbisch-Rigger, die beiden Mittelschuldirektoren Norbert Moosbrugger und Johann Schmid und Herwig Orgler, Direktor einer Polytechnischen Schule, moderiert von Mag. Wolfgang Türtscher.

Grundsätzlich herrschte bei den Vertretern der Mittelschule und den „Abnehmern“ – BHS, Wirtschaft und Polytechnische Schule – Zufriedenheit; betont wurde, dass durch die Abschaffung der Leistungsgruppen und der Förderung in der heterogenen Gruppe durch Teamteaching und andere Maßnahmen der Individualisierung für Lehrer und Leiter deutliche Mehrarbeit entstanden ist. Verbessert hat sich auch die Berufsorientierung an den NMS, die Schüler wissen, was sie im Beruf erwartet. 25 % eines Geburtsjahrgangs besucht in Vorarlberg die Polytechnische Schule, das ist österreichweit ein Höchstwert.

Dennoch gebe es Probleme:

  • Die Benotung in der NMS (grundlegend-vertiefend) sei unbefriedigend und liefere keine validen Ergebnisse – die Noten hätten sich seit der Einführung der NMS zum Teil um 1,5 Noten verbessert; die Kompetenzorientierung führe zu besseren Noten, punktuelle Schwächen würden nicht mehr registriert.
  • Die Probleme stammen oft aus dem Elternhaus und der Volksschule.
  • Der Rückgang an handwerklichen Fähigkeiten  sei ein gesamtgesellschaftliches Problem.
  • Die Schule müsse deutlich mehr Erziehungsarbeit leisten.
  • Die Jugendlichen fühlen sich wohler, seien aber rein kognitiv schwächer.
  • Die finnischen Schüler seien bei PISA zwar besser gewesen, die Jugendarbeitslosigkeit in Österreich aber deutlich geringer, was auch wichtiger sei.


Abschließend gelte: Eine perfekte Schule gibt es nicht, wir brauchen einen gesunden Mix, für jeden müsse es ein Angebot geben.