Neue Oberstufe verschoben – ein Sieg der Vernunft!

„Dass die ursprünglich für das Schuljahr 2019/20 flächendeckend einzuführende ‚Neue Ober-stufe‘ (NOSt) nun neuerlich verschoben wird, ist ein Sieg der Vernunft“, kommentierte Wolf-gang Türtscher, der Obmann der Lehrerinnen und Lehrer im ÖAAB Vorarlberg diese Entscheidung der Bundesregierung. „Wir stehen nicht an, uns bei Bildungsminster Faßmann und der Bundesregierung für diese Entscheidung zu bedanken. Damit wird den Bedenken der Schulpraktiker gefolgt.“

Eine Nachdenkpause ist sinnvoll!

Das ursprüngliche Ziel der NOSt war es, in der Oberstufe – ab der 10. Schulstufe – gezielt Module anzubieten und damit die Stärken der Schüler zu fördern. Davon ist nicht viel übriggeblieben.

Der Lernstoff wird bei der NOSt in Module aufgeteilt, die jeweils ein Semester umfassen. Alle negativen Noten in den Zeugnissen von Februar und Juli können durch Semesterprüfungen im Folgejahr ausgebessert werden. Negative Noten können theoretisch über längere Zeit "geparkt" werden. Dieses Ziel, das Aufsteigen mit der Note „Nicht genügend“ zu erleichtern und die Zahl der Klassenwiederholungen zu reduzieren, gestaltete sich in der Praxis problematisch:

  • Das geplante Modell kann dazu führen, dass sich Schüler mit bis zu drei Nicht genügend bis zur Matura "durchwurschteln" und dann erst recht die Schule abbrechen müssen.
  • Der Verwaltungsaufwand wird enorm sein, da die Laufbahn jedes Schülers mit allen eventuellen Wiederholungprüfungen genau dokumentiert werden muss  – das jetzt in Verwendung stehende Sokrates-Programm funktioniert schon bei normaler Belastung nicht verlässlich.
  • Versuchsschulen melden, dass der Druck auf die Schüler größer geworden sei, da nicht nur ein Schuljahr, sondern jedes Semester positiv abgeschlossen werden muss.
  • Obwohl auf den ersten Blick bei den Wiederholungsprüfungen mit der Beschränkung auf die nicht gekonnten Kompetenzen eine Erleichterung zu sein scheint, zeigt es sich bei näherem Hinschauen, dass genau das in manchen Fächern zu fast unüberwindlichen Schwierigkeiten führen kann, da es keine Kompensationsmöglichkeiten gibt.


„Jetzt besteht die Möglichkeit“, so Türtscher, „sich das Modell der NOSt und der Modularisierung noch einmal in Ruhe anzuschauen – und Schulpraktiker einzubeziehen – und dann festzulegen, welche Änderungen tatsächlich notwendig sind. Wahrscheinlich wird sich herausstellen“, so Türtscher abschließend, „dass es am besten ist, die NOSt nicht generell einzuführen, sondern nur dort, wo das die einzelne Schule auch will. Das wäre durchaus auch im Sinn des im Juni 2017 im Parlament beschlossenen „Autonomiepakets“.