Edi Engler beleidigt Vorarlbergs Mathematiklehrer

Vorwürfe sind generalisierend und unzutreffend!

„Über die seit 2015 geltende ‚Neue Reifeprüfung‘ gibt es allgemein und speziell für das Fach Mathematik viel zu sagen; eine abschließende Beurteilung dieser Prüfungsreform steht noch aus, für das Jahr 2018 liegt noch kein Endergebnis vor, weshalb es besonders unsinnig ist, bereits jetzt Schlüsse zu ziehen“, ersucht Wolfgang Türtscher, Obmann der ÖAAB-Lehrerinnen und Lehrer um Beruhigung. „Eines aber ist klar: Edi Englers Vorwürfe in den VN am 30.5.18 sind nicht nur pauschalierend beleidigend, sondern auch sachlich falsch. (Mag. Edi Engler war Mathematiklehrer an einem Vorarlberger Gymnasium und ist seit drei Jahren in Pension.)

Für ihn – Engler - ist nicht nachvollziehbar, dass die heurige Matura als schwierig bezeichnet wird. Er glaubt zu erkennen, dass die neue Form des Mathematikunterrichts bei vielen seiner Ex-Kollegen noch nicht angekommen ist. „Wenn ich mir Übungshefte ansehe, dann stelle ich immer wieder fest, dass hier vielfach Mathematik unterrichtet wird wie in den 60er-Jahren“, so Engler am 30.5.18 in den Vorarlberger Nachrichten.

„Insbesondere der Vorwurf, dass viele Lehrer einen Unterricht wie in den 60er-Jahren hätten, ist ungerechtfertigt. An sämtlichen AHS-Standorten des Landes wird mittlerweile auf die Vorgaben des Bildungsministeriums in Sachen Zentralmatura geachtet, wird verstärkt in Teams gearbeitet und werden gemeinsame Schularbeiten erstellt. Dieser Vorwurf kann daher nur so interpretiert werden, dass die Mathematiklehrer dieses Landes weiterhin ihrer Verantwortung den Schülern und dem Fach gegen-über nachkommen und mathematisches Handwerkszeug lehren, auch wenn es für die Matura nicht mehr notwendig ist. Maturanten, die ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium anstreben, werden es ihnen allerdings danken, denn dort herrscht in den ersten Semestern Taschenrechnerverbot. Und der Blick auf das weltweit anerkannte internationale Bakkalaureat gibt diesen Kollegen zusätzlich Recht, denn auch dort gilt für den ersten Teil der Mathematik-Klausur Taschenrechnerverbot, für den zweiten Teil darf nur ein einfacher Rechner verwendet werden. Ganz abgesehen davon, dass das ma-thematische Niveau dieser internationalen Prüfung deutlich höher ist als jenes der österreichischen Zentralmatura“, erklärt Mag. Freddy Wittwer (BG Bludenz), der ARGE-Leiter der Mathematiklehrer an den Vorarlberger Gymnasien

„Mathematik kann und soll Spaß machen, doch extrem textlastige Beispielangaben, neue Antwortformate im Stil von alles oder nichts und ein übertriebener Technologieeinsatz, der mathematisches Grundwissen verkümmern lässt, erzeugen nur mehr ein ‚teaching to the test‘, bei dem die Mathematik auf der Strecke bleibt. Und wenn dann als Draufgabe die zentral vom Ministerium erstellten Aufgaben unklar formuliert werden, ist das Chaos perfekt, wie man sehr schön an der heurigen Matura beobachten kann, “, klagen viele Mathematiklehrer.
„Eines beunruhigt mich besonders“, so Türtscher, „in den letzten Tagen hat halb Österreich das Ergebnis der Mathematik-Matura diskutiert, bewertet und Ratschläge erteilt – und das, obwohl ein end-gültiges Ergebnis noch gar nicht vorliegt. Das ist schlicht und einfach peinlich!“