Solide Regierungsvorlage zur flächendeckenden Mittelschule!

tuertscher wolfgang„Die Mittelschule kommt - das Gymnasium bleibt' - das ist nicht nur ein griffiger Slogan, sondern auch ein vernünftiges Programm zur Weiterentwicklung der Schullandschaft Österreichs", erklärt Wolfgang Türtscher namens der ÖAAB-Lehrer Vorarlbergs zur Regierungsvorlage vom 25.10.11 über die flächendeckende Einführung der Mittelschule in ganz Österreich. Die gezielte Förderung der unterschiedlichen Talente kann jetzt auf verschiedene Art und Weise erfolgen - Individualisierung des Unterrichts, differenzierter Unterricht in den Klassen, Begabungsförderung, Maßnahmen der inklusiven Pädagogik und Diversität, temporäre Bildung von Schülergruppen, Bildung von Förder- und Leistungskursen und Unterricht im Lehrerteam (Teamteaching). Für alle diese Zusatzangebote stehen den Mittelschulen zusätzlich sechs Unterrichtsstunden pro Klasse und Woche zur Verfügung! Die Entscheidung über den gewählten Weg fällt am Schulstandort. Das ist richtig, weil regionale Unterschiede zu berücksichtigen sind: Eine Mittelschule etwa im Waldviertel, in Wien oder in Hohenems arbeitet unter jeweils anderen Bedingungen."

 

Die Entscheidung über den flächendeckenden Einsatz der Mittelschule in ganz Österreich - zugegebener Maßen schon zur Hälfte der vereinbarten Erprobungsphase - ist die logische Fortentwicklung der schulischen Förderung der großen Mehrheit der Lernenden: 1927 wurde - neben der Volksschuloberstufe und dem Gymnasium - die Hauptschule geschaffen, ab 1962 wurde sie zweizügig geführt, 1985 ersetzten drei Leistungsgruppen in den Hauptfächern die Klassenzüge und 2011 kommt die Mittelschule mit einem breiten Angebot an differenzierter Förderung.

 

Dass das achtjährige Gymnasium bleibt, ist keine Überraschung und nur logisch, handelt es sich doch um eine bewährte Schulform mit hervorragenden Leistungen. Sie richtet sich an jene Schülerinnen und Schüler, bei denen schon mit zehn Jahren eine besondere Begabung und Leistungsfähigkeit festzustellen ist, die in einem eigenen Schultyp am besten gefördert wird. Die meisten schulischen Entscheidungen fallen in Österreich erst mit 14 Jahren - dieses Modell der „zwei Geschwindigkeiten" bewährt sich prinzipiell und führt etwa dazu, dass Österreich europaweit so ziemlich die geringste Jugendarbeitslosigkeit, dafür aber eine der höchsten Sekundarabschlussquoten hat. Auch führt der Weg zur Matura für mehr als 50 % der Österreicher über die Hauptschule und weiterführende Schulen.

 

„Optimal wäre", so Türtscher, „wenn es gelänge, die Stundenkürzungen aus dem Jahre 1997 wieder rückgängig zu machen. Damals wurden in den 1. und 2. Klassen der Hauptschule bzw. des Gymnasiums in Deutsch, Mathematik und Englisch je eine Stunde gekürzt; damit ging wertvolle Übungszeit verloren. Eine Verbesserung der Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen - und damit wohl bessere Ergebnisse bei PISA - wären die Folge, was eigentlich jedem ein Anliegen sein müsste. Für Selbstzufriedenheit besteht jedenfalls kein Anlass, denn ‚wer aufhört besser sein zu wollen, hört auf gut zu sein'!"