Dr. Michael Winterhoff: Lasst Kinder wieder Kinder sein!

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Ein Aufruf zu einer kindgerechten und berechenbaren Pädagogik

 

„Lasst Kinder wieder Kinder sein“, beschwor Dr. Michael Winterhoff am 7. November 2012 in Rankweil vor 450 begeisterten Lehrern aller Schultypen, Kindergartenpädagogen, Lehrlingsausbildner, Gewerkschafts- und Personalvertretern im Rahmen seines Vortrages „Persönlichkeiten statt Tyrannen“ - eine Kooperationsveranstaltung der Vorarlberger Volkswirtschaftlichen Gesellschaft, der ÖAAB-FCG-Fraktion der Vorarlberger Arbeiterkammer, der FCG in der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und der ÖAAB-Lehrer Vorarlbergs.

 

 

Der bekannte Kinder- und Jugendpsychiater und Bestsellerautor Dr. Michael Winterhoff aus Bonn stellte im Rahmen seiner ärztlichen Tätigkeit fest, dass etwa seit dem Jahre 1995 die Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern zunehmen. „Heute müssen in Deutschland bereits 70-80 % aller Kinder als auffällig bezeichnet werden“, so Winterhoff. Er führt diesen Zustand auf drei Beziehungsstörungen zurück, die er Partnerschaftlichkeit, Projektion und Symbiose nennt. Im Wesentlichen geht es darum, dass sich Eltern, Lehrer und Erzieher aus ihrer Erziehungs- und Vorbildfunktion zurückziehen und zum Partner, Freund und Kollegen des Kindes werden, was beide überfordert und beim Kind zu schweren Störungen führt.

 

Aus seiner Sicht als Psychiater hinterfragt Winterhoff den „offenen Unterricht“, der von praxisfremden Theoretikern der Universitäten und Pädagogischen Hochschulen kommt. „Er überfordert besonders die schwachen Kinder und bringt keine Verbesserungen bei den leistungsfähigen Schülern.“ Er fordert alle Pädagogen auf, wieder mehr Wert auf das Schaffen von Strukturen zu legen. Eine Gehirnzelle braucht viele tausend Reize, bis sie ein „a“ in jeder Hand- und Druckschrift als „a“ erkennen kann. Auch die Einhaltung bestimmter Rituale hält er vor allem im Kindergartenalter für besonders wichtig. Es brauche Lehrer und keine Lerncoaches; Kuschelecken hätten in Volksschulen nichts verloren!

 

Winterhoff wird nicht müde zu betonen, dass eine funktionierende Beziehung zwischen Erzieher und Kind unerlässlich ist. Dazu gehört, dass sie genaue Anweisungen bekommen, was wann wie zu tun ist, dass die Einhaltung kontrolliert und entsprechend positiv oder negativ bewertet wird. Er ist überzeugt, dass es gesamtgesellschaftlicher Anstrengungen bedarf, diese Entwicklungsrückstände zu erkennen und zu beheben.
ÖAAB-Lehrerobmann Wolfgang Türtscher hält dazu fest, „dass es Aufgabe der Schule sei, auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen zu reagieren –„schola semper reformanda“ – im Vordergrund stehe aber Erziehung und Wissensvermittlung und die konsequente Einforderung von Leistung; das ist auch das, was die große Mehrheit der Schüler und Eltern von der Schule erwartet.

 

Foto vlnr: Michael Haim, VVG; Michael Winterhoff; Wolfgang Türtscher, ÖAAB; Eugen Lampert, GÖD!