Erklärung zur Diskussion um die Gesamtschule

Viele Anrufe, Emails und persönliche Kontakte veranlassen uns, zum derzeit intensiv diskutierten Thema Gesamtschule eine Erklärung abzugeben. Wir waren alle sehr überrascht und verwundert, wie sich in den letzten Tagen die Bildungsdiskussion entwickelt hat. Zumindest in der medialen Berichterstattung scheint der Totalschwenk der Landespartei Richtung Gesamtschule schon von statten gegangen zu sein.

 

 

Der ÖAAB Vorarlberg hat zu diesem Thema eine ganz klare und auch offen transportierte Meinung. Zuletzt wurde im Leitantrag beim Landestag im Mai 2011 das differenzierte Schulsystem einstimmig als zentrales Thema im ÖAAB beschlossen. Auch am Landestag des ÖAAB am 16. November, wurde gemäß der Beschlusslage in der ÖVP und im ÖAAB Vorarlberg noch ganz klar deponiert: „Die neue Mittelschule kommt, das Gymnasium bleibt“. Es ist deshalb für alle überraschend, dass ein vom Wirtschaftsbund vorbereiteter und dann von der  Wirtschaftskammervollversammlung beschlossener Antrag plötzlich einen - in keinem Parteigremium diskutierten - Richtungswechsel auslöst.

 

Alle in diesem Zusammenhang vom ÖAAB geführten Gespräche (und das waren nicht wenige) haben keine Resonanz gezeigt.

 

Wir halten deshalb insgesamt fest:
 

  1. Die Gesamtschule ist ausreichend erprobt worden, um sehen zu können, was sie leisten kann und was nicht. Das muss man an sich nicht noch einmal austesten!
  2. Im September 2012 wurde die „Neue Mittelschule“ durch einen Parlamentsbeschluss auf den Weg gebracht. Wir sollten ihr eine Chance geben sich zu entwickeln. Das dauert natürlich einige Jahre. Jetzt ohne Evaluierung wieder mit einer neuen schulorganisatorischen Initiative zu kommen, sorgt für Verunsicherung.
  3. Wer die Wirkungen der Gesamtschule auf Vorarlberg wirklich erproben will, muss in diesen Versuch das ganze Land einbeziehen. Das hieße dann aber auch, für mindestens vier Jahre landesweit auf eine AHS-Unterstufe zu verzichten. Den Versuch nur auf Lustenau zu beschränken, bringt keine neuen Erkenntnisse, weil man auf die umliegenden Gymnasien "ausweichen kann".
  4. In der bisherigen Debatte wurden keine Argumente genannt, warum eine Gesamtschule besser sein soll, als das differenzierte Schulsystem.
  5. Viele werfen uns jetzt vor, dass sich die Vorarlberger ÖVP von den Oppositions-parteien und den Medien treiben lässt und der ÖAAB sich nicht zur Wehr setzt.
  6. Alle bürgerlichen Parteien Europas, die sich für die Gesamtschule und gegen das Gymnasium entschieden haben, mussten fürchterliche Wahlniederlagen hinnehmen.

 

Wir gehen mit der von den Verantwortlichen gewählten Vorgangsweise insgesamt sehr schwer um. Zumal es bereits Aussendungen wie z.B. des Lustenauer Gymnasiums gibt, wo LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen und der Direktor „Nein zu einer Insellösung“ sagen.

 

Wir sehen die Gefahr, dass durch diese Diskussion großer politischer Schaden entstehen wird. Deshalb fordern wir auch, dieses brisante Thema in einer offenen und ehrlichen Debatte in den dafür vorgesehenen Gremien zu beraten.