Leitantrag – Thema „BILDUNG“

Leitantrag – Thema „BILDUNG“

zum 28. ordentlichen Landestag des ÖAAB Vorarlberg

8. Juni 2018

Anmerkung:

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit haben wir uns entschieden, im Leitantrag lediglich die männliche oder die weibliche Form zu verwenden und meinen damit, sofern nicht anders angegeben, jeweils beide Geschlechter.

>>ÖAAB-Vorarlber Leitantrag 2018<<

BILDUNG

Ist-Situation


Bildung ist eine zentrale Aufgabe für das 21. Jahrhundert. Dies gilt insbesondere für ein kleines Land im Herzen Europas wie Vorarlberg, das als „kleine EU im Bodenseeraum“ bekannt ist und seinen Wohlstand einer gut funktionierenden Wirtschaft, der Mentalität der Bevölkerung, einem dichten sozialen Netz und einer günstigen geographischen Lage verdankt. Grundsätzlich gilt:

Österreich hat ein zweigliedriges Bildungssystem, das in der Bevölkerung unterschiedlich bewertet wird. Unbestritten für alle Interessensgruppen ist die Notwendigkeit der Differenzierung und der Durchlässigkeit. Gut bewertet wird das Schulsystem mit seinen Verästelungen im Sekundar- (Gymnasium, Hauptschule/Mittelschule) und Tertiärbereich (Gymnasium, berufsbildende Schulen). Junge Menschen können besser als in anderen Ländern zwischen verschiedenen Ausbildungswegen wählen und wechseln. Das am 27. November 2014 erstmals präsentierte Forschungsprojekt der Vorarlberger Landesregierung „Schule der 10 bis 14-Jährigen“ bestätigt grundsätzlich eine hohe Zufriedenheit mit den Schulen Vorarlbergs.

Kindern und Jugendlichen soll nach Auffassung des ÖAAB eine von ihrer sozialen, gesellschaftlichen und regionalen Herkunft unabhängige Schullaufbahn ermöglicht werden, die auf den jeweiligen Talenten, Interessen und Fähigkeiten aufbaut. Der ÖAAB ist der Meinung, dass dieses Ziel durch die Beibehaltung des zweigliedrigen Systems, jedoch durch Verstärkung der Sprachförderung im frühkindlichen und Vorschulbereich und die Beibehaltung der Unterstützungssysteme im Pflichtschulbereich (Volksschulpaket, Ressourcen für Brennpunktschulen) sowie durch eine Verbesserung des Aufnahmeverfahrens im Gymnasium erreicht werden kann.

Aufgrund des guten dualen Ausbildungssystems hat Österreich die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit Europas und eine der höchsten Sekundarabschlussquoten. Erfolgreiche Bildungspolitik misst sich an einem hohen Prozentsatz an Absolventen auf allen Bildungsebenen und adäquat gewählten Bildungswegen.

Verbesserungen und zeitgemäße Anpassungen sollen vor allem Kinder und ihre unterschiedlichen Potentiale in den Mittelpunkt stellen. Kinder und Jugendliche leben in unterschiedlichen sozialen Rahmenbedingungen. Sie haben unterschiedliche Begabungen, Neigungen, Anlagen und Fähigkeiten, sie sind unterschiedlich belastbar, leistungsfähig und leistungswillig. Sinnvolle Bildungspolitik geht von einem ganzheitlichen Ansatz aus, der die Voraussetzungen jedes jungen Menschen ernst nimmt. Es kommt darauf an, individuell zu fordern und zu fördern. Dies bedeutet konkret, bereits vor Schuleintritt alle Anstrengungen zu unternehmen, die eine für den Einzelnen positive Entwicklung ermöglichen. Bei festgestellten Schwierigkeiten werden in jeder Phase der persönlichen Entwicklung gezielte Fördermaßnahmen angeboten und so lange fortgesetzt, wie dies notwendig ist. Die dafür erforderlichen Mittel werden bereitgestellt. Dabei kommt der vorschulischen Entwicklung immer größere Bedeutung zu. Eltern bekommen geeignete Unterstützung in der bestmöglichen Förderung der Kinder – v.a. bei der Sprachförderung.

Große Bedeutung haben die Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Sprechen und Rechnen. Das beinhaltet ein klares Bekenntnis zur Leistung in der Schule. Die weitere Verbesserung der Übertritte von Kinderbetreuung, Kindergarten zu Schule und von einer Schulform in die andere ist dringend notwendig.

Eine grundlegende Allgemeinbildung ist unverzichtbar. Mit den neuen Medien und Kommunikationsmitteln sachgerecht und verantwortungsvoll umzugehen, ist ebenso wichtig wie gute Kenntnisse in einer Fremdsprache und die Fähigkeit, sich in den Naturwissenschaften zurechtzufinden. Die Förderung sozialer Kompetenzen sowie musisch-kreativer Anlagen und handwerklichen Grundfertigkeiten erhält das ihr gebührende Gewicht. Teamfähigkeit, Hilfsbereitschaft, Toleranz, Fleiß, Genauigkeit und Höflichkeit sind zwischenmenschliche Grundfähigkeiten, die im gegenseitigen Umgang von Pädagogen und Schülern täglich geübt und gelebt werden.

In Anbetracht besorgniserregender Befunde ist die Vermittlung einer guten Gesundheitskompetenz (in Theorie und Praxis) von besonderer Bedeutung (genug Bewegung, gesunde Ernährung, guter Lebensstil), unter anderem auch im Rahmen der Fachbereiche Ernährung und Haushalt.

Die bewährte duale Ausbildung ist für viele Jugendliche der richtige Weg. Sie hat durch die Berufsreifeprüfung und Studienberechtigungsprüfung, „Lehre und Matura“ wertvolle Impulse erfahren. Die gute Vorbereitung für alle dualen Ausbildungswege ist eine Kernaufgabe der Polytechnischen Schule.

Eine für alle verpflichtende Ganztagsschule würde die wertvolle Erziehungsarbeit, die Mütter, Väter und andere Miterziehende zu Hause leisten, abwerten und auch den Bedürfnissen der Schüler widersprechen. Grundsätzlich ist festzuhalten, dass staatliche Betreuung und Schule nicht zwangsläufig eine Einheit bilden müssen; gerade im ländlichen Raum bieten Formen wie Kinderhorte bessere und kostengünstigere Lösungen. Ganztägige Schulformen mit einem breiten Angebot an Interessen- und Begabtenförderung können Hilfe bieten und Familien entlasten. Der ÖAAB bekennt sich ausdrücklich zum Wert der Elternarbeit und die Vernetzung von Elternhaus und Schule ist eine unverzichtbare Forderung. Daher wird eine flexible Ganztagsbetreuung nach den Prinzipien der Freiwilligkeit und Bedarfsgerechtigkeit angestrebt. Das kann die verschränkte Form der Ganztags- betreuung nicht bieten, weil Flexibilität und verschränkte Betreuung einen Widerspruch darstellen.

Um dem Lehrermangel und dem pädagogisch bedenklichen Mangel an männlichen Lehrpersonen entgegenzuwirken, bedarf es eines modernen, leistungsbezogenen Dienst- und Besoldungsrechts, der neu gestalteten Lehrerbildung und gut ausgestatteter Arbeitsplätze für Lehrpersonen.

Lehrer und Pädagogen in Kindergärten und Kleinkindbetreuungen haben eine für unsere Gesellschaft sehr anspruchsvolle Aufgabe, sie sind Lehrende und Erziehende, sie begleiten Kinder und Jugendliche und deren Eltern durch wichtige Lebensphasen. Um diesen Dienst zum Wohle aller Beteiligten leisten zu können, bedarf es motivierter Lehrer. Nur wer seine Berufung als Lehrer und Erzieher gerne, mit ganzer Kraft und Überzeugung und pädagogischem Können wahrnimmt, wird Kinder und Jugendliche so begleiten können, dass alle davon profitieren. Wertschätzung und angemessene Bezahlung sind motivationsfördernd.

Das lebensbegleitende Lernen ist zur Selbstverständlichkeit geworden; Vorarlberg hat eine leis- tungsfähige Erwachsenenbildungslandschaft, die sich in ihrer flexiblen Art ständig neuen Herausforderungen zu stellen hat. Wir gehen dabei davon aus, dass die Erwachsenenbildung eine gleichberechtigte Bildungseinrichtung neben Schule, Pädagogischer Hochschule und Universität ist. Die Angebote der Weiterbildungseinrichtungen werden mit den Aufgaben des öffentlichen Schulwesens in regelmäßigen Abständen abgestimmt und koordiniert. Dabei werden Bildungsangebote für Berufstätige grundsätzlich auf der Basis von Teilnehmerbeiträgen durch die Weiterbildungseinrichtungen angeboten.

Die Ziele des ÖAAB für die verschiedenen Schulformen und –stufen


Vorschulischer Bereich

  • Elterninformation und -einbindung ab dem 3. Lebensjahr des Kindes, wenn die sprachliche Entwicklung nicht positiv verläuft („Eltern-Kind-Bildungs-Pass“).
  • Frühe Sprachförderung für alle Kinder, die es brauchen.
  • Sinnvolle bzw. zielführende Zusammenführung der Fort- und Weiterbildung von Kleinkind- betreuern, Kindergartenpädagogen und Volksschullehrern.
  • Kindergarten und Volksschule arbeiten bei der „Übergabe“ noch enger und gleichberechtigt zusammen. Das Vorarlberger Kindergartengesetz gibt dazu die Möglichkeiten. Dasselbe gilt für die Zusammenarbeit bei Übergangssituationen zwischen den unterschiedlichen Schulformen.
  • Wenn bei schulpflichtigen Kindern sprachliche Defizite bestehen, sind die Ressourcen zur Verfügung zu stellen um das zu beheben. Die organisatorische Umsetzung entscheidet die Volksschule. Die mit 1.1.2008 in Kraft getretene Änderung des Schulunterrichtsgesetzes (§ 3 Abs. 3 SCHUG) bietet dazu Möglichkeiten, denn das Gesetz schreibt fest, dass die Eltern dafür verantwortlich sind, dass ihre Kinder sprachlich dem Unterricht folgen können.
  • Gleichstellung der Kindergartenpädagogen mit Pädagogen anderer Schulen aufgrund eines Bundesgesetzes.
  • Gleichstellung bzw. Ermöglichung einer Gleichstellung der Pädagogen für Ernährung Haushalt und Werkerziehung mit den Pädagogen der Schule.
  • Der Besuch der BAfEP (Bildungsanstalt für Elementarpädagogik) muss auch in Vorarlberg kostenfrei sein; das Angebot hat sich am Bedarf zu orientieren.

Pflichtschule

  • Rechtzeitige verpflichtende und positive Unterstützung der Schüler, deren Pflichtschulabschluss gefährdet ist. „Wir lassen kein Kind zurück.“
  • Starke Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts.
  • „Brennpunktschulen“ erhalten mehr Personalressourcen zur Verbesserung des Lern- und Arbeitsraumes bzw. des Schulklimas.
  • Die Gesundheitsförderung und Gesundheitsbildung sind grundlegende Themenbereiche, die in den Schulen vermittelt werden müssen (Gesundheitspädagogen an der Schule - Projekt
  • „Gesundheitsfördernde Schule“).
  • Die in den letzten zehn Jahren besonders im Vorarlberger Unterland stark gestiegene Zahl privater Pflichtschulen mit Schulgeld stellen in diesem Ausmaß eine Herausforderung für die Qualität der staatlichen Schulen und somit eine Gefährdung des Prinzips des kostenlosen Schulbesuchs dar.


Primarstufe

  • Das „Vorarlberger Volksschulpaket“ unterstützt in vorbildlicher Weise die Schuleingangsphase; das ist ein wichtiger erster Schritt zur Verbesserung der individuellen Fördermöglichkeiten in der Grundstufe I.
  • Flächendeckende Weiterführung und Weiterentwicklung des „Schulreife-Screenings“. Neben Zahlenwissen wird dabei insbesondere die Sprachfähigkeit der künftigen Erstklässler überprüft. Je nach Bedarf wird daraufhin einerseits mit Fördermaßnahmen begonnen, andererseits erfolgt auf Grundlage der Erhebung die Einteilung in die Volksschulklassen. So haben die Volksschullehrer zu Schulbeginn verbesserte Möglichkeiten, von Anfang an durch individuelle Maßnahmen auf die Lernbedürfnisse der Kinder einzugehen.
  • Die Volksschule vermittelt als Kernaufgabe schwerpunktmäßig und intensiv die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen.


Sekundarstufe

  • Die Orientierungsarbeiten in der 5. und 7. Schulstufe – Deutsch, Mathematik, Englisch – tragen dazu bei, die Potentiale und Fähigkeiten der jungen Leute richtig einzuschätzen. Die Lehrpersonen können daraus Impulse zur gezielten Gestaltung des Unterrichts setzen und mit den Eltern kommunizieren.
  • Gewählte Schülervertretung auf allen Ebenen auch an Mittelschulen.
  • Zur Attraktivierung der Mittelschulen sind Spezialisierungen (Sport-, Musik-,Kreativmittelschulen, etc.) zu forcieren.
  • Ziel ist es, die Schulpflicht mit dem positiven Abschluss der 9. Schulstufe zu beenden. Ist das nicht möglich, endet sie nicht mit der alleinigen Absolvierung der 9. Schulstufe, sondern mit dem positiven Abschluss der Pflichtschule bis zum 18. Lebensjahr (Mittlere Reife). Die derzeitige gesetzliche Lage (Bildungspflicht bis 18 Jahre) stellt das nicht sicher.
  • Neben der Vorbereitung zum Besuch einer weiterführenden Schule ist es die besondere Aufgabe der Sekundarstufe, ausreichend und gut ausgebildete Schüler für den Weg der dualen Ausbildung zu gewinnen. Die Gleichwertigkeit dieser Ausbildungswege ist durchgängig zu betonen.


Sonderpädagogik

  • Für Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf steht das Wohl der Betroffenen im Mittelpunkt unserer Überlegungen.
  • An der Pädagogischen Hochschule ist ein selbstständiger Ausbildungszweig für Sonderpädagogik wieder einzuführen.
  • Es braucht ein besonderes pflegerisches Angebot für die Kinder, die aufgrund ihrer Behinderung nicht klassisch beschulbar sind (Schulheim Mäder).
  • Für verhaltensauffällige Kinder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf bedarf es eines Angebotes zur Förderung in Kleingruppen.
  • In Vorarlberg sind die Pflichtschulen bereits seit mehr als 25 Jahren auf dem Weg, Sonderschulen mit den Herausforderungen der Inklusion fruchtbar in Verbindung zu bringen (siehe Aussendung des ÖAAB Vorarlberg vom 1.3.2017). Dabei orientierten sie sich an gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen sowie an den gesetzlichen Vorgaben (UN-Behindertenrechtskonvention, von Österreich im Sommer 2008 ratifiziert; Nationaler Aktionsplan 2012-2020 der Österreichischen Bundesregierung).
  • In Vorarlberg werden alle Angebote der schulischen Sonderpädagogik am selben Standort umgesetzt, was bedeutet, dass Integrationsklassen und Kleinklassen im selben Schulgebäude untergebracht sind. Im Bezirk Bregenz / Bregenzerwald gibt es keine einzige eigenständige Sonderschule mehr, sondern nur noch Volks- und Mittelschulen mit angeschlossenen Kleinklassen – ein gutes Miteinander in Pausen, bei Projekten oder in einzelnen Unterrichtsgegenständen wird dadurch ermöglicht und gefördert. Ein flächendeckender Ausbau dieser Organisationsform ist bereits in Umsetzung.
  • Seit Herbst 2016 gibt es Kompetenzzentren für Inklusion, Diversität und Sonderpädagogik (KIDS) in den vier politischen Bezirken, die differenziert und gezielt auf spezifische Herausforderungen re/agieren können und entsprechende Ressourcen zur Verfügung stellen (spezifische Lernförderung, mobile Lehrer, Beratungslehrer, Kriseninterventionslehrer, Spezialpool usw.). Die KIDS sind in Kooperation mit dem Landesschulinspektor für Sonderpädagogik und Inklusive Bildung für alle sonderpädagogischen Belange im schulischen Kontext sowie deren Weiterentwicklung federführend verantwortlich.
  • Die Forcierung der Ausbildung von Lehrern für Sonderpädagogik und Inklusion ist von zentraler Bedeutung.


Duale Ausbildung: Polytechnische Schule und Lehre

  • In den Polytechnischen Schulen wird das Hauptaugenmerk darauf gelegt, die Schüler gut auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Dafür wird das notwendige Beratungs- und Betreuungssystem weiter ausgebaut
  • In der Polytechnischen Schule werden alle Angebote gebündelt, um einen positiven Pflichtschulabschluss zu erreichen.
  • Die Polytechnische Schule stellt ein Orientierungsjahr zur Entscheidung über den weiteren Bildungsweg entweder in die duale Ausbildung oder in Richtung weiterführender Schulen dar, das vor allem zur Verhinderung späterer Bildungswegabbrüche!
  • Aktive Bewerbung der dualen Ausbildung als einer besonders zukunftstauglichen Bildungsperspektive und Wiedereinführung des „Blum-Bonus“ als ein Mittel der Förderung und Qualitätssicherung. (Absolventen der dualen Ausbildung haben die besseren Berufschancen und können dank unseres durchlässigen Systems jede weitere Ausbildung anschließen – Lehre mit Matura, Berufsreifeprüfung.). Hervorzuheben ist dabei die Gleichwertigkeit der dualen und der schulischen Ausbildungswege innerhalb des Europäischen Qualifikationsrahmens.
  • Absolventen der Berufsreifeprüfung müssen in allen europäischen Ländern studieren können.
  • Der Zugang zur Polytechnischen Schule muss allen Schülern unter 18 Jahren möglich sein.
  • Im Interesse der Qualitätssicherung ist zur Halbzeit der dualen Berufsausbildung eine praktische Prüfung abzulegen.


Gymnasium, mittlere und höhere Schulen

  • Verpflichtende Elterninformation in der 3. Schulstufe über die Bildungsmöglichkeiten im Anschluss an die Volksschule.
  • Die Aufnahme ins Gymnasium bzw. in die Sekundarstufe II (BORG, HTL, HAK, HLW, HLT und etc.) erfolgt nicht nur durch die Volksschulnote bzw. das Abschlusszeugnis der 8. Schulstufe, sondern durch ein eigenes Aufnahmeverfahren. Das derzeitige System fördert die Abhängigkeit der Schullaufbahn vom sozioökonomischen Status der Eltern.
  • Aufgabe des Gymnasiums ist es die Hochbegabten zu fördern und auf ein Studium vorzubereiten, deren Talent schon mit 10 Jahren festgestellt werden kann. Wenn mehr als 20% eines Geburtsjahrganges die gymnasiale Unterstufe besuchen, ist das nicht mehr gewährleistet.
  • Um den wichtigen Übergang von der Volksschule in die Sekundarstufe I (Mittelschule oder Gymnasium) gut vorbereiten und begleiten zu können, werden in der 3. Klasse Volksschule Lernstandserhebungen durchgeführt. Standardisierte Tests in der vierten und achten Schulstufe tragen dazu bei, die Potentiale und Fähigkeiten der jungen Leute richtig einzuschätzen.
  • Die Orientierungsarbeiten in der 5. und 7. Schulstufe – Deutsch, Mathematik, Englisch – tragen dazu bei, die Potentiale und Fähigkeiten der jungen Leute richtig einzuschätzen. Die Lehrpersonen können daraus Impulse zur gezielten Gestaltung des Unterrichts setzen und mit den Eltern kommunizieren.
  • Einwöchiges Praktikum in der Oberstufe (9. – 13. Schulstufe) für alle Schüler in einem Betrieb nach Wahl, um praxisorientiertes Lernen zu ermöglichen.
  • Umfassende Bildungs- und Berufsberatung.
  • Die neue Reifeprüfung, die seit 2015 in Kraft ist, ist dahingehend zu evaluieren, ob dadurch eine Leistungssteigerung erreicht werden konnte.


Hochschule

  • Weiterentwicklung der Studiengänge der Fachhochschule Vorarlberg und der Pädagogischen Hochschule (PH) Vorarlberg (mit möglichst hoher Eigenständigkeit).
  • Die Kernaufgabe der Pädagogischen Hochschule ist die Ausbildung der notwendigen Anzahl von Pflichtschullehrern und nicht wissenschaftliches Arbeiten und Forschung; es besteht dazu allerdings eine gesetzliche Verpflichtung.
  • Die PH Vorarlberg soll sich an erfolgreichen Hochschulen wie der PH Oberösterreich orientieren.
  • Die Ausbildung von Pflichtschullehrern für alle Bereiche muss im Land Vorarlberg gewährleistet sein.
  • Die Ausbildungsdauer für Pflichtschullehrer ist mit drei Jahren ausreichend.
  • Auslagerung der Lehrerweiterbildung an die Erwachsenenbildung.



Die Ziele des ÖAAB für die Schule allgemein


Bildungsziele

  • Eine hohe Anzahl von Maturanten und Akademiker sind kein Garant für ein positives Wirtschaftswachstum – anzustreben ist ein ausgewogenes Verhältnis. Länder mit dualer Ausbildung haben eine besonders niedrige Jugendarbeitslosigkeit.
  • Die Flut an akademischen Titeln (Fachhochschule und Universität) führt nicht nur zur Unübersichtlichkeit, sondern steigert konkret die Akademikerarbeitslosigkeit, weil zahlreiche Studienzweige nicht in eine Berufstätigkeit münden.
  • Die duale Ausbildung als wirkungsvolle Verbindung von Theorie und Praxis garantiert wirtschaftlichen Erfolg (die international vergleichende Bildungsdebatte ist zu stark auf Matura und Hochschulabschluss fixiert – Österreich erreicht 83 (bei den 25 - 64-Jährigen) bzw. 89 % bei den 25 - 34-Jährigen bei der Sekundarabschlussquote, der OECD-Schnitt ist 68 (bei den 25 - 64-Jährigen) bzw. 77 % bei den 25 - 34-Jährigen; diese Quote (bei den 25 - 34-Jährigen) beträgt EU-weit 82 %, in Großbritannien 83 %, in Italien 73 % und in Spanien 65 %.
  • Geschlechtsspezifischer Ansatz (Buben-, Mädchenförderung).
  • Ethik als Pflichtfach, wenn der Religionsunterricht nicht besucht wird. Der staatlich garantierte Religionsunterricht ist insbesondere für die kleinen Konfessionen von Bedeutung und verhindert extreme Positionen und fundamentalistische Tendenzen.
  • Unterstützung der Bedeutung des Fachbereiches Ernährung und Haushalt.
  • Politische und wirtschaftliche Grundlagenvermittlung bereits ab der 3. Schulstufe im Sachunterricht.
  • Pflichtfach „Politische Bildung“ ab der 7. Schulstufe, da die Jugendlichen mit 16 bereits wahlberechtigt sind.
  • Die Stärkung der europäischen Dimension der Schule durch einen systematischen Schüler- und Pädagogenaustausch.


Schulorganisation

  • Feedbackkultur für Lehrer, Schüler und Eltern. Evaluierungen müssen selbstverständlich werden.
  • Administrative Entlastung der Schulen.
  • Bestehende Fördersysteme an den Schulen ausbauen und verpflichtend vorsehen.
  • Qualitativer und bedarfsgerechter Ausbau der ganztägigen Angebote.
  • Mehr Unterstützungspersonal (Psychologen, Sozialarbeiter, Erzieher, ...) an den Schulen.
  • Festlegung der Klassenschülerhöchstzahl mit 20 an Pflichtschulen, um gutes individuelles Lernen möglich zu machen.
  • Klare und offen gelegte Beurteilungskriterien bei der Notengebung.
  • Mitspracherechte der Schüler bei der Schwerpunktsetzung.
  • Gesetzliche Verankerung der Schülerparlamente auf Bundes- und Landesebene.
  • Die Einrichtung der Bildungsdirektionen hat so zu erfolgen, dass besser auf regionale und lokale Besonderheiten reagiert werden kann – ländliche Gebiete und Ballungsräume unterscheiden sich zunehmend! Zentral beim Bund sollen die Bildungsinhalte, Schulorganisation, Lehrerausbildung, Lehrpläne, sein. Die Kompetenzen sollten immer dort sein, wo sie am effektivsten wahrgenommen werden können.
  • Stärkung der Autonomie der Schulen und der Lehrenden – Clusterlösungen führen nicht zur Autonomie der Schulstandorte, sondern eher zu einer Zentralisierung.
  • In Zukunft immer wichtiger werden Kooperationen zwischen Eltern, Kindergärten, Schulen, Kommunen und Regionalplanungsgemeinschaften in Form von Bildungsnetzwerken.
  • Es muss weiterhin gewährleistet bleiben, dass jedes Dorf eine eigene Volksschule hat.
  • Mittel-, Polytechnische - und Allgemeine Sonderschulen müssen in einer vertretbaren Entfernung zum Wohnort der Eltern sein.
  • Schulische Testungen (PISA, PIRLS, BIST, TIMSS, etc.) sind so zu gestalten, dass sie für den Schüler notenwirksam werden und den österreichischen Lehrplänen entsprechen.


Das Bild des Lehrenden

  • Weiterentwicklung des Dienst- und Besoldungsrechts 2013 mit großer Rücksichtnahme auf die Herausforderungen des schulischen Alltags, die Mehrbelastung der Lehrenden und auf die Lebensverdienstsumme. Die derzeitigen Bestimmungen erfüllen diese Anforderungen nicht. Sie bedeuten eine Mehrbelastung der Lehrenden, eine Kürzung der Lebensverdienstsumme und einen Niveauverlust.
  • Imagekampagne für den Lehrerberuf – gemeinsam mit Lehrern, Schülern und Eltern.
  • Betonung der Erziehungsfunktion des Lehrers– gegenseitiger respektvoller Umgang, Höflichkeit, Akzeptieren von Grenzen und Regeln als Grundlagen des täglichen Schulbetriebs.
  • Berufspraktikum in der Wirtschaft für alle Lehrer (derzeit für Junglehrer 5 Tage).
  • Vorbildfunktion des Lehrers in allen gesellschaftlichen Bereichen.
  • Pädagogisches Aufnahmeverfahren für zukünftige Lehrer durch ein persönliches Eignungsgespräch ergänzen – Bin ich für den Lehrerberuf geeignet? Was erwartet mich und welche Erwartungen habe ich? Ständiger Praxisbezug ab dem 1. Semester (Lehrauftritte und Hospitationen).
  • Verpflichtende Führungsausbildung für Lehrer während des Studiums für ihre wichtige Rolle als Klassenlehrer, -vorstand, Abteilungsleiter, Projektbeauftragter, Leiter von Elternabenden: Gesprächsführung, Teambildung, Umgang mit Konflikten, Leitung von Beteiligungsprotzessen mit Kindern und Jugendlichen, etc.
  • Lehrerfortbildung ist eine Aufgabe der Schulleitung.
  • Führungspersönlichkeiten im Schulbereich, insbesondere Direktoren, müssen besser ausgebildet und deutlich besser bezahlt werden – Aufteilung der Führungsstruktur in der Schule durch mehr Ressourcen – mittleres Management, Sekretäre auch für Pflichtschulen – das Vorarlberger Modell der administrativen Entlastung soll verbessert und somit Grundlage für eine österreichweite Regelung sein.
  • Die Qualität der Schule steht und fällt mit der Qualität der Lehrenden.
  • Überlegungen, wie qualifizierte Personen mit „nichtformalen Qualifikationen“ ohne Lehramt für den Lehrerberuf gewonnen werden bzw. auch niederschwellig und phasenweise in den Unterricht mit eingebunden werden können.
  • Aufgrund des sich abzeichnenden Lehrermangels, sind Anreize zu schaffen, die das Weiterarbeiten über das Pensionsalter attraktiv machen.
  • Die Tätigkeit der Lehrenden ist anspruchsvoller geworden. Sie bedürfen in besonderer Weise der Unterstützung durch die Gesellschaft, um ihren Aufgaben nachkommen zu können: Sozialarbeiter, Erzieher, Psychologen etc. sollen die Aufgaben übernehmen, für die Lehrer nicht zuständig sind. Durch regelmäßige Supervision und der verstärkten Möglichkeit, Auszeitphasen in Anspruch nehmen zu können, muss sichergestellt werden, dass dieser Beruf bis zum Pensionsalter mit 65 Jahren ausgeübt werden kann. Es ist auch zu prüfen, ob nicht bestehende Altersteilzeitmodelle Anwendung finden können.


Lebensbegleitendes Lernen

  • Die (kostenlosen) Abendschulen des Bundes sollen der Erwachsenenbildung übergeben werden, die dafür erwachsenengerechte Teilnehmerbeiträge einhebt. Die Aufgaben der Abendschulen des Bundes hat im kaufmännischen Bereich schon jetzt weitgehend die Berufsreifeprüfung übernommen, während die Absolventenzahlen bei den Abendschulen des Bundes stark sinken und die Drop-out-Quote enorm hoch ist.
  • Vorarlberg hat eine leistungsfähige Erwachsenenbildungslandschaft, die auch aufgrund ihres hohen Anteils ehrenamtlicher Mitarbeiter in besonderer Weise förderungswürdig ist. Dafür stellen Bund und Land die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung.
  • Weiterbildungsmaßnahmen müssen rechtzeitig einsetzen, um Arbeitslosigkeit präventiv zu bekämpfen.
  • Die Angebote der Weiterbildungseinrichtungen sind mit den Aufgaben des öffentlichen Schulwesens in regelmäßigen Abständen abzustimmen und zu koordinieren.
  • Selbsterhalterstipendium (€ 800,-) als bestehende, großzügige Studienförderung stärker propagieren.
  • Um auch finanzschwachen Bildungsinteressierten die Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen zu ermöglichen, werden diese durch das Land Vorarlberg und die ARGE Vorarlberger Erwachsenenbildung so gefördert, dass Veranstaltungen, deren Besuch bis € 20,- kostet, kostenlos besucht werden können; kosten diese zwischen € 21,- und € 300,-, muss nur 50 % des Preises bezahlt werden. Der Nachweis der Förderwürdigkeit erfolgt durch den Vorarlberger Kulturpass.
  • Förderung von Lernaktionen zwischen Jung und Alt, z.B. Handwerkerschule, Computerkurse.


Maßnahmen zur Unterstützung

  • Die vorgeschlagenen Maßnahmen müssen innerhalb des ÖAAB und der ÖVP mehrheitsfähig gemacht werden.
  • Da größtenteils bundesgesetzliche Regelungen notwendig sind, werden die entsprechenden Initiativen von Vorarlbergern Mandataren zu setzen sein.
  • Dort, wo landesweite Initiativen möglich sind, werden diese gesetzt und aktiv der Öffentlichkeit vorgestellt.